Stille, Schnee und Kerzenlicht - ein Gedicht zum Winter.
Der Schnee deckt Dach und Zaun ganz sacht,die Spuren wehen zu.Ein Licht brennt in der frühen Nacht,die Welt hält still - und du.
Der Weg knirscht leise unterm Schuh,der Atem wird zu Rauch.Das Dorf liegt tief in weißer Ruh,der alte Brunnen auch.
Die Meisen turnen an den Zweigenund picken Körner auf.Die Tannen stehen schwer und schweigen,der Schnee liegt dick darauf.
Im Ofen backt ein Blech mit Sternen,es riecht nach Zimt im Haus.Draußen glühn schon die Laternenund leuchten weit hinaus.
Und sinkt der Abend auf die Dächer,wird alles blau und leis.Der Mond hängt wie ein stiller Wächterhoch überm weiten Weiß.
Buntes Laub und erster Nebel - ein Gedicht zum Herbst.
Der Wind liest Blätter von den Bäumen,Kastanien fallen, blank und schwer.Die Gärten stehn in roten Träumen,und morgens zieht der Nebel her.
Die Drachen steigen überm Hügel,ein Kind hält fest die dünne Schnur.Die Krähen ordnen ihre Flügelund schreiben Zeichen in die Flur.
Die Äpfel ruhn in vollen Körben,der Keller riecht nach reifem Jahr.Das Licht beginnt sich gold zu färben,als wüsste es, wie schön es war.
Die Vögel sammeln sich in Scharen,der Himmel füllt sich nach und nach.Sie ziehen fort wie alle Jahreund rufen laut noch überm Dach.
Und wird es früh am Abend dunkel,rückt man zusammen, warm und dicht.Der Tee dampft leis im Kerzenfunkel -so zeigt der Herbst sein mildes Licht.
Lange Tage, warmes Licht - ein Gedicht zum Sommer.
Die Sonne steht, der Tag bleibt lang,im Gras ein leiser Grillensang.Der See liegt blank im Mittagslicht,und Eile gibt es heute nicht.
Das Korn steht hoch und wiegt sich sacht,vom warmen Wind in Gang gebracht.Am Feldrand leuchtet roter Mohn,die Lerche steigt mit hellem Ton.
Der Kirschbaum trägt, die Beeren glühn,die Gärten stehen satt im Grün.Barfuß geht es über Stein,so soll ein langer Sommer sein.
Am Abend zieht Gewitterluftmit schwerem, süßem Lindenduft.Ein Blitz schreibt kurz ans Firmament,was keiner liest und jeder kennt.
Und sinkt die Sonne rot ins Land,bleibt ihre Wärme in der Wand.Man sitzt noch lange vor dem Haus -der Sommer ruht sich selber aus.
Wenn die Tage länger werden und alles neu beginnt - ein Gedicht zum Frühling.
Die Knospen springen, zart und leis,der Winter räumt das Feld.Ein erster Falter zieht den Kreis,und grün wird still die Welt.
Der Bach hat wieder viel zu sagen,er plaudert durch das Tal.Die Amsel singt seit ein paar Tagenihr Lied beim ersten Strahl.
Am Zaun blüht gelb der Löwenzahn,die Wiese trägt ihr Kleid.Die ersten Bienen kommen anund summen weit und breit.
Der Regen fällt in warmen Schnürenund wäscht die Wege rein.Man kann das Wachsen beinah spürenbis in den kleinsten Stein.
Und abends bleibt das Licht noch stehen,ein Stündchen länger nur.Man mag noch nicht nach Hause gehen -der Frühling hält die Uhr.